Was mir die Aquaristik über das “wahre Leben” so gelehrt hat – offene Fragen

Als ich vor einigen Tagen mein ruhiges morgendliches Viertelstündchen auf dem stillen Örtchen verbrachte und ich Zeit zum Nachdenken haben mußte, habe ich mich, ganz grundsätzlich, mal gefragt, was ich denn von meinem Hobby, der Aquaristik, für’s “echte” Leben so gelernt habe.

Im Grunde habe ich zum ersten Mal so richtig begriffen, wie die Natur denn eigentlich funktioniert, wobei die wertvollste Lektion von allen die ist, daß ALLES SEINE ZEIT braucht. Alles wächst und gedeiht nach von Mutter Natur festgelegten Vorgaben, alles vermehrt sich wenn es an der Zeit ist und die Bedingungen passen. Nichts kann schneller geschehen, als es zu geschehen hat und alles HAT die Zeit, die es braucht. Wer von uns (außerhalb den 4 Glaswänden eines Aquariums) hält sich denn an diese Regel? Wann geben wir uns die Zeit, die wir wirklich brauchen? Hetzen wir uns?

 

Die für mich am schwersten zu ertragende Lektion war die, daß NICHT JEDES TIERCHEN ÜBERLEBT oder seine volle Lebenserwartung erreicht. Es ist immer “the survival of the fittest” und wer nicht kämpft, überläßt sein Glück dem Schicksal. Und im Gegensatz zu uns Menschen, kam mir bis jetzt noch kein einziges Tierchen unter, das nicht gekämpft hätte. Egal ob es der Mikrowurm ist, der gerade verfüttert wurde, oder die kleine Kampffischlarve auf Futtersuche. Jedes noch so kleine und unscheinbare Lebewesen, kämpft ums Überleben. Wie oft kämpfen wir für uns selbst? Wie oft stecken wir uns das Ziel “es zu schaffen”?

Tiere trauern nicht, denn sie verlassen sich drauf, dass Mutter Natur für Nachschub sorgt. Fressen und gefressen werden ist also ok. Tiere zweifeln Mutter Natur nicht an und leben nur im JETZT. Wie oft leben wir im jetzt? Würde es uns besser gehen, mehr (Gedanken-)Zeit im JETZT zu verbringen? Warum zweifeln wir?

Tiere wissen, daß/wann sie geliebt werden. Mag sein, dass Kampffische ausgeprägtere Charaktere haben, als so manch andere Fische, aber sobald ich morgens aufwache und Ray bemerkt, dass ich mich bewege (sein Aqua ist direkt neben meinem Bett), schwimmt er ganz aufgeregt hin und her, stellt die Flossen auf, schlägt wild damit herum, an manchen Tagen bedroht er mich sogar (:-)), nur um meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ja, ich tue mich schwer ihm zu widerstehen. Liebe geht definitiv durch den Magen ..also wo sind die Würms.. :-)

Reviere sind gut fürs Ego und Grenzen sind dazu da um eingehalten zu werden. Wenn Du in mein Wasser schwimmst, wirst Du gebissen!  Tiere verhandeln dieses Prinzip nicht, es ist einfach so. Wie oft beissen wir zurück, wenn uns andere zu nahe kommen? Verteidigen wir unsere Reviere? Lassen wir mit uns verhandeln?

Natürliche Heilmittel sind die beste Heilung für natürliche Krankheiten. Gerade am Anfang unserer “Aquaristiklaufbahn” glaubten wir jedes im Handel erhältliche Medikament für sämtliche mögliche Krankheiten zu Hause haben zu  müssen, da Fische ja grundsätzlich Samstag abends oder Sonntag morgens krank werden. Kein chemisches Mittel, dass wir bis jetzt ausprobieren mussten, hat geheilt. Frisches Wasser, Seemandelbaumblätter, Erlenzäpfchen und getrocknete Bananenblätter jedoch haben bisher jedes Wehwechen innerhalb nur weniger Tage verschwinden lassen und uns blieb ein zufriedener, gesunder Fisch übrig. Wie heilen wir unseren Körper? Chemisch oder natürlich?

Es gibt so viele Dinge in den kleinen Wasserwelten, die wir noch lernen können und die sich täglich ungesehen vor unseren Augen abspielen. Wieviel von dem wir sehen und verstehen setzen wir eigentlich um? …..

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Ein Kommentar zu “Was mir die Aquaristik über das “wahre Leben” so gelehrt hat – offene Fragen”

  • Susi:

    Guten Tag,

    wie wahr wie wahr…. ich schätze die paar Minuten morgens auf dem stillen Örtchen haben sich wirklich gelohnt.

    Wir leben oft ohne tatsächlich da zu sein. Zu häufig sind wir -zumindest in Gedanken- einfach viel zu weit weg. Wir pendeln zwischen Vergangenheit und Zukunft und dem was wir so alles müssen im Leben. Wir vergessen das die Erinnerungen nur Ausschnitte aus einem früher genossenen “Jetzt” sind und die Zukunft nur die gedankliche Vorwegnahme eines anderen “Jetzt” das wir dereinst erleben wollen.

    Wenn wir aber so denken, versäumen wir dem aktuellen, gegenwärtigen “Jetzt” positive Erinnerungen abzugewinnen. Ebenso uns für Träume von der Zukunft inspirieren zu lassen.

    Ich finde auch….

    Wer ein Aquarium hat, der lernt aufmerksam zu beobachten, zu staunen und zu begreifen wie der Kreislauf des Lebens funktioniert. Eben dieses Wissen um die Gesetze nach denen die Natur arbeitet kann sehr hilfreich sein.

    Die Beobachtungen eines Aquarianers können ihm begreiflich machen das “survival of the fittest” auch für den Menschen gilt. Auch er sollte sich hüten auf der Spitze der Nahrungskette einzuschlafen.
    Denn Evolution ereignet sich fortwährend… im hier und jetzt…

    Wir als Teil der Natur sollten das eigentlich am Besten wissen.

    LG, Susi (inspiriert von deinen Zeilen)

    P.S. Ich denke am besten über solche Dinge nach, wenn ich zu Fuß durch unseren Park nachhause gehe… das ist mein “nachmittägliches halbes Stündchen”… => ich kenne das! :)

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